|
Was kommt auf uns zu? Das Rheinhafen-Dampfkraftwerk der Energie Baden-Württemberg (EnBW) wird seit 2008 um den Steinkohleblock RDK 8 mit einer elektrischen Leistung von 912 Megawatt erweitert. Die Inbetriebnahme des neuen Kohlekraftwerks ist für Ende 2011 geplant. Ein Umbau des Gasblocks RDK 6S wurde verschoben, ist aber weiterhin vorgesehen. Offen ist, wann der seit 1985 laufende Steinkohleblock RDK 7 abgeschaltet wird oder in welcher Höhe dessen Leistung von 550 MW nach Inbetriebnahme von RDK 8 reduziert wird. Zusammen werden beide Kohlekraftwerke erheblich mehr Schadstoffe und CO2 ausstoßen.  Verschiedene Bürgervereine, Umweltverbände, die evangelische Kirche und Kinderärzte fürchten deshalb um die Luftqualität in Karlsruhe, die schon jetzt nach Mannheim die schlechteste in Baden-Württemberg ist. Im Rahmen der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung wurden für RDK 8 jährliche Ausstöße von 2.060 Tonnen Kohlenmonoxid, 2.300 Tonnen Schwefeldioxid, 2.060 Tonnen Stickoxid und 207 Tonnen Gesamtstaub beantragt. Unterschreitet die Betriebszeit 365 Tage im Jahr müssen die Emissionen anteilig reduziert werden. Aber gerade während der in der Oberrheinebene manchmal wochenlang anhaltenden Inversionswetterlagen wird Karlsruhe trotz hoher Schornsteine in starkem Maß betroffen sein. So dringt Feinstaub besonders tief in die menschliche Lunge ein und verursacht Herz-Kreislaufprobleme und Asthma. Zum Vergleich war 2004 der Verkehr in Karlsruhe für 311 Tonnen Feinstaub verantwortlich. Die Verbrennung von Kohle ist die klimaschädlichste Art der Energieerzeugung und hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einem messbaren Anstieg des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre geführt. Als Folge steigt die Durchschnittstemperatur weltweit. Bis zum Ende des Jahrhunderts muss die Menschheit bei anhaltend hohem Klimagas-Ausstoß mit einem Hitzeschub von bis zu 6,4 Grad rechnen – begleitet von Stürmen, Dürren, Überschwemmungen, Hungersnöten und der Ausbreitung von Krankheiten. Zu diesem Ergebnis kommt der Klimarat der Vereinten Nationen. Angesichts dieser Hiobsbotschaften gibt es keine Alternative: Innerhalb von gut zehn Jahren muss es eine Trendumkehr zur Reduzierung der Treibhausgase geben. Das neue Kohlekraftwerk wird von dem klimaschädlichen Kohlendioxid jährlich etwa fünf Millionen Tonnen freisetzen, wodurch sich der gesamte CO2-Ausstoß von Karlsruhe nahezu verdoppelt. Durch den Bau von RDK 8 werden sämtliche Bemühungen der Stadt den CO2-Ausstoß zu senken konterkariert. Über die Stadtwerke, die mit 75 Millionen Euro in das Projekt einsteigen, unterstützt die Stadt sogar den Neubau. Durch die Beteiligung an dem eine Milliarde teuren Projekt wollen sich die Stadtwerke die Versorgung mit Fernwärme für 30 Jahre sichern. Das Potential zur Fernwärmeerzeugung des Kraftwerkes von 220 Megawatt ist aber dreimal größer als der derzeitige Wärmebedarf der Stadt. Der theoretische Wirkungsgrad von 58% mit Fernwärmeauskopplung kann deshalb nicht erreicht werden und dürfte eher nahe der 46% liegen. Dies widerspricht einer umweltbewussten und am Klimaschutzziel orientierten Energiepolitik. Greenpeace fordert deshalb in den Industrieländern auf den Neubau von Kohlekraftwerken zu verzichten. Gibt es Alternativen? Die Alternativen zur Kohle werden in der Studie "Klimaschutz: Plan B 2050" einem nationalen Energiekonzept bis 2050 aufgezeigt. Von Maßnahmen zur Verminderung des Energiebedarfes in den Bereichen Gewerbe, Haushalt und Verkehr, über einen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne, Biomasse oder Erdwärme, bis hin zur verstärkten Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung. Mit dezentralen Blockheizkraftwerken oder modernen Gas- und Dampfturbinenanlagen (GuD) mit Kraft-Wärme-Kopplung lässt sich die Energie des eingesetzten Brennstoffs bis zu 90 Prozent nutzen. Die Erzeugung kann sehr flexibel an den Verbrauch angepasst werden und ist mit Erdgas auch besonders CO2-arm. Die Volkswohnung Karlsruhe hat dieses Konzept erfolgreich mit einem 5 Megawatt Blockheizkraftwerk bei der Sanierung der alten Kasernen der Alliierten umgesetzt. Was können Sie tun? Werden Sie aktiv gegen den Klimawandel und informieren Sie sich in unserem Flyer "Klimaschutz: wenn nicht jetzt, wann dann?" über Energiesparmöglichkeiten! Wechseln Sie zu einem Stromanbieter, der Ihnen regenerativen und klimaverträglichen Strom verkauft. Wir empfehlen Greenpeace Energy. Weitere Anbieter und Umsteigehilfen finden Sie bei Atomausstieg selber machen. |