Botschaften für den Ausstieg aus Gorleben Drucken
Leuchtender Protest in der Karlsruher Innenstadt
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Karlsruhe, 05.11.2011 – Heute protestierten die Greenpeace-Gruppen Karlsruhe und Pforzheim auf der Kaiserstrasse gemeinsam gegen den für das erste Adventswochenende geplanten Castor-Transport aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague ins niedersächsische Gorleben. Der Transport des hochradioaktiven Abfalls, der zu einem großen Teil aus Baden-Württemberg stammt, wird auf seinem Weg nach Norden voraussichtlich auch wieder durch Karlsruhe rollen.

An einem adventlich dekorierten Stand informierten die Aktivisten über die für den 26. November geplante Großdemonstration im Wendland und gaben Auskunft zu Anlaufstellen für Übernachtungen und Verpflegung. Mehr als 90 Karlsruher Bürger nutzen dabei die Gelegenheit, mit spontanen Botschaften ihren Unmut über den geplanten Transport auszudrücken. Die poetisch bis wütenden Botschaften wurden von den Passanten an einem Adventskranz befestigt, der von Greenpeace-Aktivisten zur Großdemonstration in Dannenberg gebracht wird. Dank dieser bundesweiten Aktion können auch diejenigen, die nicht selbst ins Wendland kommen können, ihrem Protest Ausdruck verleihen und mit ihren Botschaften an der Demonstration teilnehmen.

Zum Abschluss der Aktion formten die Greenpeace-Aktivisten vor der Karlsruher Pyramide aus Laternen ein leuchtendes „X“, das Symbol der Castor-Gegner. Dieser leuchtende Protest fand zeitgleich in 46 deutschen Städten statt und verdeutlicht die mehrheitliche Ablehnung einer Einlagerung des Atommülls in Gorleben.

„Dieser Castortransport darf  nicht nach Gorleben rollen“, sagt Dr. Wolfgang Mexner, Energie-Ansprechpartner bei Greenpeace-Karlsruhe. „Der Strahlengrenzwert am Zwischenlager Gorleben wird in diesem Jahr voraussichtlich überschritten. Die niedersächsische Landesregierung etzt sich hier über Recht und Gesetz hinweg“. Greenpeace hat vergangene Woche nachgewiesen, dass das zuständige niedersächsische Umweltministerium erhebliche Fehler bei der Berechnung der Strahlengrenzwerte gemacht hat. Eine Analyse der unabhängigen Umweltschutzorganisation ergab für das Jahr 2011 eine Strahlung oberhalb des Grenzwertes von 0,3 Millisievert pro Jahr. Dies hätte zu einem Einlagerungsstopp für weiteren hochradioaktiven Atommüll führen müssen. Das Ministerium ignorierte allerdings diese Berechnungen und gab bekannt, dass der nächste Castortranport rollen dürfe. Bislang werden bereits 97 Castoren aus der Wiederaufarbeitung im Gorlebener Zwischenlager verwahrt, da in Deutschland kein Endlager für hochradioaktiven Müll existiert: Mit jedem weiteren Castor wird Gorlebener Salzstock als Endlagerstandort zementiert

Wenige Meter vom Zwischenlager entfernt baut die Bundesregierung an einem ihrer Meinung nach möglichen Endlager im Salzstock Gorleben. „Mit jedem Castortransport wird der Salzstock Gorleben als Endlagerstandort zementiert. Das dürfen wir nicht zulassen.“, so Mexner. Gorleben ist aus geologischen Gründen als Endlager ungeeignet. Für den Salzstock gab es nie ein wissenschaftliches Auswahlverfahren. Unter dem Salzstock liegt das größte Erdgasvorkommen Deutschlands, darin gibt es bereits Laugenvorkommen. Ein sicherer Einschluss radioaktiver Stoffe kann nicht gewährleistet werden. Trotzdem halten Atomindustrie und Politik seit über 30 Jahren an diesem Standort fest.

Am 24. November soll nun der Transport von elf Castorbehältern aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins niedersächsische Wendland starten. Die elf Castoren beinhalten ein Vielfaches an Radioaktivität wie bei dem Super-GAU in Fukushima in die Umwelt gelangt ist. Ab 2014 sollen außerdem weitere Transporte aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (England) folgen.