Brasilien - Ein Reisebericht Drucken

der dritte teil der reise

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Wir sitzen hier mittlerweile wieder in Manaus im Saunaklima bei 40 Grad in der Badehose am Schreibtisch und schwitzen vor uns hin! Gestern Abend kamen wir mit dem Amazonas Dampfer aus Barcelos - einem Kleinstädtchen am gewaltigen Rio Negro - von einer 12 tägigen Expedition zu den nördlichen Tepuis (Tafelbergen) Amazoniens in der Serra do Araca nach Manaus in die Zivilisation zurück. Dies sind ca. 800 km Luftlinie und 4 Tage Schiffs- bzw. Bootsreise von hier, dazwischen nur Flüsse und Regenwald - und immer noch im selben brasilianischen Bundesland!. Jetzt lecken wir gerade unsere Wunden und sortieren Bilder.

War ein ziemlich hartes Ostern dieses Jahr, aber hat sich nicht nur aus fotografischer Sicht gelohnt! Wir sind zunächst am Ostersonntag von Manaus nach Barcelos geflogen und haben dort über die Vermittlung meines alten Kumpels und Geografen Carlos Durigan von der Stiftung Vitoria Amazonica den etwas verschrobenen aber in solchen Expeditionen erfahrenen Kapitän Mamá aufgestöbert. Er hat dann alles weitere für uns organisiert - und Guide und Träger besorgt. Zuerst ging es 3 Tage mit seinem Schiff - einer 18 m langen Motorjacht - von Barcelos über immer kleinere Zuflüsse an endlosen Auenwäldern vorbei. Irgendwann überquerten wir dann auch den Äquator und befanden uns für eine Woche wieder auf der nördlichen Hemisphäre. Als es mit der Jacht nicht mehr weiterging, stiegen wir um ins kleinere Motorboot, mit dem wir uns den kleineren Urwaldfluss knapp 8 Stunden flussaufwärts kämpften. Erschwerend kam hinzu, dass alle paar hundert Meter dicke ins Wasser gestürzte Bäume quer über den Fluss lagen.

Hier kamen wir nur mit der guten alten Stiehl Motorsäge weiter, die wir wohlweislich mitgebracht hatten. Es ging nur, indem wir die Stämme soweit auseinander sägten, dass wir das Boot entweder am zersägten Stamm vorbei oder drunter durch schieben konnten und wir selber drüber kletterten. So verzögerte sich unser Fortkommen, bis sich die 1000 m hohe Wand des Tepuis - unserem Ziel - weit vor uns über den Urwald erhob und wir an einem wilden Gebirgsbach nicht mehr weiter kamen, 1 Tag Schiffsreise von der letzten menschlichen Besiedlung entfernt. Von da aus ging es über 1 1/2 Tage mit 2 Übernachtungen im Regenwald zu Fuß zu fünft (mit Guide und 2 Trägern) von 50 m Meereshöhe durch unberührten Urwald auf knapp 1000 m über schmale steile Gebirgspfade hoch aufs Hochplateau des Tafelbergs. Besonders spannend waren die nächtlichen Ausflüge in den Bergregenwald, wo sich ein Stelldichein von allerlei Getier einfand. Man musste nur die Augen aufmachen und schon entdeckte man die seltsamsten Lebensformen mit von 4 bis 100 Beinen bzw. Beinchen! Nach dem mühsamen Aufstieg durch die Steilwand erwartete uns oben auf der Hochfläche des Tafelbergs eine buschartige Vegetation von einem anderen Planeten - komplett verschieden vom 1000 m tiefer gelegenen Urwald. Hier boten sich uns - wenn es mal nicht geregnet hat - unbeschreiblich geniale Aussichten auf die unendliche tiefgrüne Amazonasebene im ständigen Licht- und Schattenspiel der Elemente. Gewaltige Wolkentürme, die sich vor uns über der weiten Ebene mittags aufbauten, regneten sich nachmittags in dichten breiten Regenschleiern ab und sorgten abends bei Sonnenuntergang für ein blau-lila-rot-oranges Farbspektakel am Himmel, das dann noch durch einen quer über den Horizont verlaufenden Regenbogen gekrönt wurde. Ab und zu flog tief unter uns in der Abendsonne auch mal ein Pärchen großer roter Aras (größte Papageienart) bunt und laut kreischend durchs Bild.

Luis in Brasilien

Nach 2 Tagen Aufstieg, 3 Tagen oben bleiben und 2 Tagen Abstieg kamen wir zerstochen von Moskitos und Bremsen, angesaugt von Zecken, mit schmerzendem Rücken und Knien, völlig verschlammt und verschwitzt und vom heftigen Regen aufgeweicht total am Ende unserer Kräfte aber zufrieden mit einem Sack (bzw. Speicherkarten) voller toller Bilder wieder glücklich an unserem Schiff an - wo uns unser Käpt´n Mamá schon erwartete und wir die tollste Dusche unseres Lebens genossen und das beste Reis-mit-Bohnen-und-Fisch-Essen aller Zeiten hatten (nach dem es vorher eine Woche lang nur Nudeln gab!). Nach nur 2 Tagen Fahrt mit der Jacht waren wir am Freitag wieder in Barcelos zurück, wo wir uns von Kapitän Mamá und seiner Crew verabschiedeten und den Dampfer nach Manaus zurück nahmen. Ein schöner und besonderer Abschluss unserer aufregenden Expedition zu den verwunschenen Tafelbergen Nordamazoniens!