Sorgen und Ängste zum Nationalpark Drucken

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Zeichnung eines Buchdruckers  Buchdrucker-Larvengänge  Spechte sind natürliche Feinde des Borkenkäfers

von Philipp Sommer und Volker Oppermann

Ein Nationalpark bringt Veränderungen in der Region mit sich und schürt damit viele Bedenken und Ängste. Auch wenn sich einige Bedenken als leicht widerlegbar herausstellen, bedarf es einer genauen Überprüfung der standortspezifischen Überlegungen. Aus diesem Grund lässt das Landesministerium ein Gutachten erstellen, in dem einzelne Arbeitskreise aus Experten und der Bevölkerung vor Ort diese Sorgen und Ängste ausführlich diskutieren und in dem festgestellt werden soll, ob ein Nationalpark im Schwarzwald möglich ist. Die verschiedenen Themen lassen sich auch gut im Greenpeace Factsheet und beim Naturschutzbund (NABU) nachvollziehen. Hier gehen wir nur auf das Thema des Borkenkäfers ein.

Der Borkenkäfer

Der Borkenkäfer (hier besonders relevant ist der Buchdrucker (Ips typographus)) befällt ausschließlich die Fichte und dabei vor allem geschwächte Bäume. Er ist natürlicherweise in jedem Fichtenbestand vorhanden, sein Bestand wird aber durch verschiedene Faktoren, wie dem Klimawandel oder dem Nahrungsangebot und natürliche Feinde, beeinflusst. Die Käfer und Larven fressen sich bei einem Borkenkäferbefall durch den Bast und stören damit den Wasser- und Nährstofffluss zwischen Krone und Wurzeln. Bei einem hohen Befallsdruck stirbt der Baum und zurück bleibt Totholz das den Ausgangspunkt für eine natürliche Verjüngung des Waldes darstellt. Begünstigt wird dieser Prozess besonders durch Fichtenmonokulturen, wie sie auch im Schwarzwald teilweise vorhanden sind.

Dabei hat der Borkenkäfer einige natürliche Feinde, wie den Ameisenbuntkäfer, den Dreizehenspecht und andere. Diese sorgen dafür, dass ein unendliches Borkenkäferwachstum unmöglich wird, so dauern Kalamitäten (d.h. Massenerkrankungen von Waldbeständen durch den Borkenkäfer) in der Regel zwei bis drei, maximal vier Jahre. Da er in dieser Zeit allerdings große Waldbestände aus wirtschaftlicher Sicht unbrauchbar machen kann, greift der Mensch durch eine Borkenkäferbekämpfung ein. Die Randzonen in einem Nationalpark zu den angrenzenden Wirtschaftswäldern müssen intensiv kontrolliert und befallene Bäume frühzeitig entnommen werden, um ein Übergreifen des Borkenkäferbefalls auf die Wirtschaftswälder ausserhalb des Nationalparks zu vermeiden. In den Kernzonen des Nationalparks soll der Käfer allerdings nicht bekämpft werden, da man hier die Natur sich selbst überlässt. Es kann davon ausgegangen werden, dass in der Nationalpark Kernzone auch große Flächen mit abgestorbenen alten Fichten entstehen, so wie jetzt auch in einzelnen Bannwäldern und bestehenden Nationalparks (z.B. Nationalpark Bayerischer Wald). Hierin liegt aber die Chance zur Naturverjüngung dieser Wälder In dem eben angeführten Beispiel des Bayerischen Walds, zeigte sich, dass die natürliche  Verjüngung, insbesondere durch das Belassen des Totholzes im Wald, die stark begünstigt wird. Es samten sich über 4.000 junge Bäume je Hektar in dem Gebiet an – das sind mehr als wenn, wie üblich, gepflanzt würde. In den Fichtenmonokulturen selber kann dadurch die Entwicklung hin zum Mischwald begünstigt werden. Der Umstieg benötigt allerdings Zeit, weshalb, und das zeigt sich ebenfalls im Bayerischen Wald, die Fichte zunächst den Großteil der Verjüngungspflanzen ausmacht. Eine Borkenkäferbekämpfung in den Entwicklungszonen (s. Entwicklungsnationalpark) ist allerdings kritisch zu betrachten, da sie oft mit großflächigen Kahlschlägen verbunden ist, die dann anschließend in die Kernzone überführt werden. Dadurch wird eine natürliche Regeneration der Wälder behindert.

Angst vor dem Borkenkäfer?

Bilder von toten Bäumen sind in deutschen Wäldern ungewohnt. In Wirtschaftswäldern werden tote Bäume schon sehr frühzeitig entnommen. In Urwäldern gehören sie aber zum normalen Entwicklungsprozess. Der Anblick von toten Lebewesen ist für uns unangenehm, wir kennen ihn nicht und haben davor unbewusst Angst. Dabei ist es ein natürlicher Prozess, den wir nur selten erleben. Eine alte Buche kann im Laufe ihres Lebens bis zu einer Million Bucheggern produzieren, die unter der alten Buche versuchen ans Licht zu kommen. Nur eine Buche schafft es schließlich wieder in den Kronenraum der Mutterbuche hineinzuwachsen. Alle anderen jungen Bäume sterben ab, werden vom Wild gefressen oder vom Menschen gefällt im Rahmen der Waldpflege.  Tod und Gedeih leben in einem natürlichen Kreislauf.

Neben den Vorgängen im Nationalpark selber haben viele Anwohner die Angst, dass der Borkenkäfer auf die umliegenden fichtendominierten Wirtschaftswälder übergreift. Diese lassen sich allerdings vermeiden, indem eine 500 Meter breite Pufferzoneum die Kernzonengebiete gelegt wird. Damit verringert sich die Gefahr auf Neubefall um 96 Prozent und ein Übergriff des Borkenkäfers auf den umliegenden Wirtschaftswald kann durch eine Borkenkäferbekämpfung verhindert werden. Dass diese Methode Erfolg haben kann, versprechen Erfahrungen aus anderen Nationalparks wie dem Harz, oder auch dem Bayerischen Wald.

Eine weitere Befürchtung ist außerdem, dass der Tourismus unter dem anderen Waldbild durch das viele Totholz leidet. Das dies nicht der Fall ist, zeigen Studien aus dem Bayerischen Wald, denn durch dieses ungewohnte Waldbild und durch die Dimension der Walderneuerungsprozesse, wirken diese Flächen nicht so abstoßend, sondern eher interessant auf die Touristen.

 

 

 

V.i.S.d.P. Philipp Sommer, Greenpeace Mannheim-Heidelberg, Stand: 14. September 2012